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Vom Frühförderwahn und Freizeitstress

Während meiner Schwangerschaft hatte ich beschlossen nicht auf den Frühforderwahnzug aufzuspringen. Was ich mir in der Schwangerschaft nicht alles vorgenommen hatte und inzwischen über den Haufen geworfen habe… Aber das ist ein anderes Thema.

Als Erzieherin und angehende Fachkraft im Situationsansatz bin ich mit dem Unsinn der unzähligen Angebote für Babys durchaus vertraut. Mit der Angst der Eltern, das ihr Kind den zukünftigen Anforderungen nicht standhalten kann und schlecht abschneidet wird viel Geld gemacht. Was ein Kinder in 20 Jahren tatsächlich brauchen sollte weiß allerdings niemand. 

Die Angebote sind z.B.  Chinesisch und Englischunterricht für Säuglinge, musikalische Früherziehung, Bewegungsmöglichkeiten und und und.

Nein das will ich nicht für mein Minimöhrchen. Die Elternzeit in Jogginghose gemütlich mit meinem Minimöhrchen Zuhause. Das schwebte mir vor. 

Mal einen Pekipkurs besuchen und spazieren gehen. Ja so sollte es sein.

Und dann war ich Mama und ich weiß nicht wie es den anderen Mamas so ging, aber nach 12 Wochen Wochenbett beginnt dann doch allmäch die Decke auf den Kopf zu fallen. Der Alltag Zuhause lässt sich mal mehr und mal weniger gut bewältigen und unterwegs muss man nicht mehr jede Stunde ein Plätzchen fürs Stillen finden.

Ich war heilfroh als ich im Stilltreff andere Mamis treffen konnte. Auch mit schief sitzender Frisur, Augenringen und Kotzflecken auf der Kleidung. Endlich jemanden dem es genauso geht. Der einen versteht. 

Mami sein ist nämlich wunderschön, aber auch manchmal ziemlich einsam. Da war ich heilfroh als endlich auch unser erster Kurs vor zwei Monaten startete. Und da saß ich über mein Minimöhrchen gebeugt und betütelte ihn mit Fingerspielen und Liedchen, während er fröhlich nackig vor sich hin strampelte.

So das reicht aber jetzt dachte ich mir. Mehr muss wirklich nicht sein.

Da entdeckte ich ein Eltern-Kind-Cafe vor Ort. Ach wäre doch schön mal noch ein paar Mamis kennen zu lernen. Vielleicht findet sich ja jemand für gemeinsame Spaziergänge. Also wieder raus aus der Jogginghose, Wickeltasche packen, Baby anziehen und und und. Bis wir fertig sind bin ich es auch.

Und da sitze ich dann zwischen den anderen Mamas und Papas und Themen wie schlafen bzw. nicht schlafen werden heiß diskutiert während die Babys fröhlich Spielsachen tauschen und bespeicheln.

Na, jetzt ist aber mal gut. Genug Termine. Oder vielleicht doch nicht.

Die Mami muss nach der Geburt auch was für sich tun. Also zur Rückbildung im Mama-Baby-Yoga angemeldet. Oh es tut so gut was für sich zu tun. Auch wenn der erneute Terminstress so gar nicht zur entspannten Yogaphilosophie passt. Und da findet sich auch endlich der Kontakt zu einer Mama die auch eine Krabbelgruppe sucht. Da sind wir natürlich dabei. 

Ach und da gibt es natürlich auch noch den Papi der auch was mit dem Minimörchen erleben will. Das Babyschwimmen startet nächsten Monat.

Und neben den ganzen Terminen wollen die Großeltern und Urgroßeltern natürlich auch Zeit mit dem Minimörchen verbringen. 

Nicht zu vergessen die kindelosen Freunde die man von der Zeit vor dem Mamisein kennt. Eine Zeit die sich anfühlt als hätte sie in einem anderen Leben in einem anderen Universum stattgefunden.

Als ich diese Woche von Termin zu Termin gehetzt bin. Zwischen Babykursen und Treffen, da musste ich an die Eltern im Frühforderwahn denken. Vielleicht besuchen wir ja manche Kurse eher für uns. Um nicht allein zwischen kurzen Nächten, Wäsche- und Windelbergen dahin zu vegetieren.

Meine Jogginghosenzeit vermisse ich trotzdem. 

Deshalb mache ich jetzt Freizeitstress Detox. Wir schauen mal was wir behalten uns was wir wieder verwerfen. Entwickeln tut sich das Minimöhrchen sowieso, nach seinem Tempo. Egal ob Frühförderung oder nicht.

Damit wir die zwei Jahre Elternzeit entspannt genießen können. Naja so entspannt wie man von einem fünf Monate alten Säugling sein kann…;)

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2 Kommentare zu „Vom Frühförderwahn und Freizeitstress

  1. Hallo Jessica,

    das hast du ja schön beschrieben! Ich persönlich habe im ersten Jahr auch immer gerne alle möglichen Mama-Kind-Kurse besucht, einfach um raus zu kommen und etwas Austausch mit anderen Müttern zu genießen. Die Frühförderung war dabei eher ein positiver Nebeneffekt. Aber wenn’s der Mama gut geht, geht es ja auch unseren Kleinen gut! Damit das nicht in Freizeitstress ausartete, habe ich mir immer 2 Kurstermine pro Woche als Maximum gesetzt, das war sehr angenehm und es blieb genug Zeit, um auch mal zu Hause abzuhängen oder sich mit Freunden und der Familie zu treffen.

    Liebe Grüße!
    Isabel

    Gefällt 1 Person

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