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Warum mir die Berufsbezeichnung Erzieherin so garnicht mehr passt

Ich wurde gestern auf der Silvesterparty nach meinem Beruf gefragt. Das erste Mal seit langem. Und wie früher ganz selbstverständlich antwortete ich mit ‚Erzieherin‘.

Aber irgendwie fühlte es sich falsch an. Erzieherin. Etwas ER-ziehen. An etwas ziehen. Jemand hat eine gute Erziehung genossen. Ein unerzogenes Kind. Es benimmt sich nicht der Norm.

Erziehungsratgeber, Erziehungskurse und Erziehungsforen, Erziehungspass.

Wie siehst du das als Erzieherin. Hast du Erziehungstipps. Wie erziehst du dein Kind? Kennst du unerzogen als Erziehungsform?

All dies geht mir durch den Kopf wenn ich an Erzieherin denke. Es wirkt streng auf mich. Dominant und irgendwie eckig. So garnicht meiner Vorstellung meines Berufsbildes.

Klar es gibt die Begriffe Elementarpädagogin und Entwicklungsbegleiterin.

Aber bis man das dann im Gespräch erklärt hat…. Und offiziell ist es die Erzieherin. Die staatlich anerkannte Erzieherin sogar.

Mh was ist den eigentlich aus der heute soviel belächelten Berufsbezeichnung der Kindergärtnerin geworden.

Nicht mehr zeitgemäß war sie. Nicht professionell genug. Beschränkte sich nur auf die Kinder von 3-6 Jahren und nicht die Krippenkinder. Aus Kindergärten wurden Kindertagesstätten.

Von älteren Menschen werde ich immer noch als Kindergärtnerin bezeichnet. Und früher hat es mich tatsächlich gestört. Ich bin doch staatlich anerkannte Erzieherin. Bin professionelle Pädagogin.

Ich hab heute morgen über den Begriff Kindergärtnerin nachgedacht.

Was für Gefühle eine Gärtnerin anstatt einer Erzieherin in mir auslöst.

Ich habe an meine Zeit als Gärtnerin im Botanischen Garten nachgedacht.

Ich habe mich um viele verschiedene Pflanzen in den verschiedensten Größen, Farben und Formen gekümmert. Habe sie umsorgt und gepflegt.

Wenn ein Topf zu klein wurde habe ich die Pflanze umgetopft damit sie sich weiter entwickeln konnte.

So wie Kinder immer wieder größere Erfahrungsräume brauchen.

Ich habe die Pflanzen mit Stäbchen gestützt wenn sie ein wenig mehr halt gebraucht haben um zu wachsen

So wie wir Kindern Halt geben und sie stärken.

Ich habe die Pflanzen gegossen und gedüngt. Für genügend Licht und Wärme gesorgt.

So wie Kinder gepflegt werden müssen. Gewickelt, gecremt, gewaschen, Essen und trinken bereit gestellt und beim Essen unterstützt wird.

Ihnen einen Raum geben um sich entfalten zu können.

Bildungsmöglichkeiten zu schaffen um individuell zu wachsen. Wie in einem Gewächshaus und Garten.

Früher antwortete ich auf die Frage warum ich jetzt Erzieherin und keine Gärtnerin mehr sein scherzhaft:

„Naja es handelt sich beides um die Pflege und Versorgen von Kleinlebewesen..“

Und wenn das natürlich etwas übersspitzt war. Was wahres ist doch dran.

Das nächste Mal wenn ich nach meinem Beruf gefragt werde, werde ich wahrscheinlich mit Kindergärtnerin antworten.

Strahlt der Begriff soviel mehr Wärme und Liebe aus als die Erzieherin…

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2 Kommentare zu „Warum mir die Berufsbezeichnung Erzieherin so garnicht mehr passt

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